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Wie Wohnungen wohnbar werden?

“Glauben wir an die Vorstellung, dass unsere Umgebung uns beeinflusst, selbst wenn sie überwiegend aus Kunststoff besteht? Man muss sich dann auch eingestehen, dass die Farbe der Tapete sich bedauerlicherweise sehr nachteilig auf uns auswirken kann.
Zugleich muss man bekennen, das kein Raum unsere Unzufriedenheit lindern kann, die wir im Inneren verspüren.”

Dieses wunderschöne Zitat habe ich aus dem Buch Architektur und Glück und es stellt genau die richtige Frage. Welchen Einfluss haben die Räume, in denen wir uns aufhalten auf uns und unser Befinden? Ich bin überzeugt, dass es ein sehr großer Einfluss ist. Wenn wir uns darüber klar werden, dann steigt in uns das Bedürfniss auf unsere Wohnräume so schön wie möglich zu gestalten und diesem Bedürniss würde ich hier gerne Raum geben. Gleichzeitig gebe ich euch eine Anleitung, die mir wunderbar dabei hilft, wunderschöne und atmosphärisch positiv aufgeladene und damit zum Leben einladende Räume zu erschaffen.

Nehmen wir gleich zu Beginn ein Beispiel, das alles verdeutlicht, was ich zu Wohnräumen sagen möchte. Es sind die Religionen, die am Besten verstanden haben, welche Rolle unsere Umgebung auf unsere Identitätsbildung und auf unser Empfinden hat. Die Räume, die sie erschufen, entscheiden über unser Glaubensempfinden und sind äußerer Ausdruck aller inneren Überzeugungen. Die Atmosphäre in großen Kathetralen, aber auch in kleinen Tempeln und Kapellen ist einprägsam und unmissverständlich und erzählt sich auch demjenigen, der mit den Glaubenstheorien nichts anfangen kann.

Ich setze mich so gerne in Kirchen und spüre einfach nur den Raum. Die Größe und Weite, der sich nach oben und vorne öffnenden Räume, wodurch irdisches in meiner Wahrnehmung weit wegrückt. Die feuchte und kühle, aber klare Luft, die reinigend auf meine Gedanken wirkt und die nach Natursteinmauerwerk riecht. Ich finde, man riecht wirklich die Massivität und den Schutz der dicken Mauern. Der Stein, der ursprünglich Berge geformt hat, wurde umgenutzt, um nun mir Schutz und meiner Spiritualität Raum zu geben. Selbst wenn es laut ist, herrscht eine heilige Ruhe, die über allem steht. Irdischer Lärm kann diesen Gebäuden nichts von ihrer Wirkung nehmen. Ich spüre eine Wertigkeit, die mir selbst, aber auch dem Leben gegeben wird, wenn ich dort so sitze. Allen Details wurde diese Wertigkeit zugesprochen, alles hat einen Sinn, steht im Zusammenhang mit den anderen Elementen, wurde gut durchdacht und mit Sorgsamkeit ausgesucht. Das reicht, um ergriffen und berührt zu sein und auch um zu verstehen, was Räume und Atmosphöre in mir bewirken können und welche Message sie transportieren.

Und das tun sie immer! Unsere Umgebung transportiert immer etwas und hat damit Einfluss auf uns, zum positiven, wie zum negativen.

Jetzt geht es darum, sich dieses eine besondere Gefühl in die Wohnung zu holen und die eigenen vier Wände zu dem Tempel des eigenen Lebens zu machen, den man sich selbst erträumt. Es geht nicht um die ideale Möbelierung und das Aneinandersammeln von schönen Dingen, was durchaus Spaß machen kann, aber erst an zweiter Stelle steht.

Die erste und wichtigste Frage ist die nach der Wahl der Materialien. Stellt euch vor, ihr zieht euch eine Plastiktüte über den Kopf und lässt sie dort, den ganzen Tag über. Wie fühlt ihr euch? Genau, ihr fühlt euch furchtbar. Ihr bekommt keine Luft, ihr schwitzt, alles klebt, riecht komisch, eine absolut unnatürliche Umgebung für eure Haut und für alles andere auch. Nun ist das Problem, dass die meisten Materialien, aus denen Wohnungen gemacht werden eben genau das sind, Plastiktüten, bzw. Plastikfolien, Plastikfarbe, Plastikboden, Plastikdecke, Plastikmöbel, Plastikdämmung, Plastikstoffen, usw. Diese Materilaien tragen natürlich andere Namen, wie Acrylfarbe, Laminat, Styropor, hochglanz, abwischbar, günstig, teuer, uuuund so weiter. Und auch nicht immer hat man Einfluss darauf, im seltensten Fall hat man die Möglichkeit den Idealzustand herzustellen. Im eigenen Haus kann man sehr viel mitbestimmen, in der Mietwohnung viel weniger. Aber weniger ist noch lange genug, denn ich verspreche euch, dass kleine Eingriffe schon einen riesigen Unterschied machen werden. Genau deshalb bin ich auch Innenarchitektin geworden, denn im Innenausbau, also dem Teil des Hauses, den der Mensch wirklich zu spüren bekommt, liegen die größten Möglichkeiten, um ein behagliches und wohltuendes Wohnklima zu erzeugen.

Ganz konkret nun, mit Naturmaterialien seid ihr immer auf dem richtigen Weg zu einer wunderbaren und authentischen Wohnung! Es muss echt und sinnvoll sein, das gilt für Wände, Möbel, Böden und alle anderen Einbauten. Lasst die Finger von Imitaten und Nachmachungen, das ist nur die Oberfläche, die so tut als ob und in der Gesamtwirkung aber immer enttäuschend ist. Was wirklich immer, immer, immer veränderbar ist, ist die Farbe, die ihr auf eure Wände streicht. Ich spreche von Farbe als Material und noch nicht von Farbtönen. Wählt ihr Kalkfarbe, Silikatfarbe, Lehmfarbe, für eure Wände, dann macht ihr den ersten und wichtigsten Schritt, denn alle Wände haben zusammengenommen eine riesige Fläche und damit einen großen Einflußfaktor. Kalk und Lehm haben hier auch nichts mit verstaubten Ökohäusern zu tun, es ist einfach eine atmende und offenporige Alternative zu Acrylfarbe, die es in allen Farben, in den allerschönsten Farben sogar, zu kaufen gibt.

Ich lebe selbst auch in einer Mietwohnung und der größte Kompromiss hier ist der Laminat, leider, leider, leider. Aber mit der Entscheidung zu einer Naturpigmentfarbe auf Kalkputz lässt sich das verkraften. Lasst mich wissen, wie ihr wohnt, ob ihr bisher auf die Materialien geachtet habt und stellt mir gerne all eure Fragen!

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