Gefeatured

Besser Schöner Wohnen

Es gibt ganz klare Regeln für gute Farbgestaltung. Sie haben nichts mit Farbpsychologie, Farbwirkung oder persönlichen Vorlieben zutun. Sie beachten einfach physikalische Fakten dazu, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen und wie räumliches Sehen funktioniert. Diese zu beachten reicht natürlich noch nicht, um ein schönes Endergebnis zu bekommen. Es braucht viel Erfahrung in der Anwendung von Materialien und ein ausgebildetes ästhetisches Auge, gepaart mit viel Gespür.

Wie ich hier schonmal geschrieben habe, welches Potenzial die richtige Farbgestaltung für Räume birgt, gibt es jetzt ein ganz einfaches, aber sehr gutes Beispiel. In der Schöner Wohnen vom Mai 2015 war ein wirklich schöner und kostengünstiger Wohnungsumbau zu finden, der mir letzte Woche in die Finger viel. Und ich dachte mir, neeeeein, nein, so kann man das nicht stehen lassen. Ein Fundstück, um mit ein paar “Farbweisheiten” aufzuräumen und an deren Stelle funktionierende Regeln zu setzen. Es geht um eine kleine 24m2 Einraum-Wohnung mitten in Paris, indem durch wirklich kluge Eingriffe eine tolle und für die Verhältnisse großzügige Wohnung entsteht. Das Projekt ist eigentlich genau so, wie ich mir Innenarchitektur wünsche. Aus einer nicht optimalen Wohnsituation wird durch kluge Eingriffe das Optimum an Platz herausgeholt, die Struktur der Räume passen perfekt zu den Bedürfnissen der Bewohnerin und es wurde mit mit günstigen Materialien eine hochwertige und schöne Lösung gebaut. So kann gleich das erste Klischee ausgeräumt werden, dass Innenarchitekten teuer und nur etwas für reiche Leute sind. Hier wird die Innenarchitektin für jedermann erschwinglich, bzw. sogar nötig, denn durch die richtige Planung können im Umbau immense Kosten gespart werden. Meistens ist billig bauen gleich hässlich bauen. Hat man aber eine gute Planerin, dann wird das Bauen immer zum schönen Bauen und passt sich, inklusive der Planungskosten, dem Budget der Bewohner an. So oft könnte man durch zweimal nachdenken viel Geld sparen und gleichzeitig viel schönere Ergebnisse bekommen. Denn die ideale Lösung und das Maximum an Lebensqualität, was  herausgearbeitet wird, verrechnet sich für jeden mit dem Geld, das für einen guten Entwurf und Planung ausgegeben werden muss.

Dennoch, habe ich etwas auszusetzen. Wie eigentlich fast immer, bleibt das ästhetische Potenzial der Wohnung, trotz aller guten Eingriffe, auf der Strecke. Der weiße Anstrich findet in der Überschrift schon Betonung und wird mit so ziemlich allen halbwahren Argumenten, die es zu weißer Frabe gibt, unterstrichen. Ausgangspunkt war eine dunkle und enge Dachwohnung, der man entkommen wollte. Deshalb wurde neben den baulichen Veränderungen “strahlend weiß” gestrichen.
Fauxpas! Die Wohnung ist super und die Umbauideen darin sind wirklich stark. Aber farblich wurde so ziemlich alle falsch gemacht, was man falsch machen kann.
Das weiß soll strahlen und die Beengtheit der Räumlichkeiten braucht “Klarheit”, um Luftiger zu wirken. Das weiß und grau soll den Raum aufhellen und Ruhe verbreiten.

Stell dich ein einen Raum, in dem alle Wände strahlend weiß sind. Es gibt keine dunklen Bereiche, nur Helligkeit. Was passiert? Das weiß, die Helligkeit kommt dir entgegen, sie strahlt dich an, sie überstrahlt alles, überfordert deine Augen, deine Wahrnehmung und lässt keinerlei Rückzug und Orientierung zu. Was wäre besser? Ein Raum, dessen Licht dich sanft einhüllt, der sich zurücknimmt und nur ganz dezent anwesen ist. Er bietet dir eine Hülle, aber er drängt sich dir nicht auf. Ein Raum, indem das Innenleben wichtiger sein kann, als die Wände. Und dann ibt es einen Fleck im Raum, der komplett in den Schatten tritt, der sich aus deiner Wahrnehmung löst. So löst sich die Begrenzung des Raumes auf und es wird Größe erzeugt. Formen werden zusammengehalten, ohne zu konkurrieren.

Und der kleingemusterte Fußboden lässt den Raum ebenfalls größer wirken.

 

 

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